Problem im Griff

Sind Ihre Freunde für Sie Lift oder Käfig?

 

Als Folge zum letzten Artikel, Environmental Reinforcement of Your Goals, erforschen wir die Rolle der Menschen in Ihrem Leben. Helfen Sie ihnen, die beste Person zu sein, die Sie sein können, oder halten sie Sie zurück?

Ich erwähnte im letzten Artikel, dass bei großen Veränderungen im Leben wie zum Beispiel einem Berufswechsel, sich auch die Menschen ändern, mit denen Sie die meiste Zeit verbringen. Wir alle haben schon Phasen durchgemacht wo sich Menschen in unserem Leben veränderten – Abitur, Umzug in eine andere Stadt, ein Jobwechsel, Wechsel in einen neuen Verein etc. Ich glaube ich muss Ihnen nicht erklären, wie viel Einfluss andere Menschen auf Ihre Identität haben können. Wenn Sie jemals eine große Veränderung der Menschen in Ihrem Umfeld erlebt haben dann wissen Sie, dass dadurch auch Sie sich verändern.

Die meisten Menschen treffen diese Entscheidung allerdings nicht bewusst. Sie entscheiden vielleicht bewusst, mehr Zeit mit einem bestimmen Freund zu verbringen, oder Sie bitten jemanden um ein Rendezvous, um eine neue Beziehung zu beginnen. Aber wenige Menschen wählen den Großteil Ihrer bestehenden Freundschaften bewusst. Zufällige Begegnungen liegen vielleicht außerhalb Ihres Einflusses, aber die Stärke oder Schwäche Ihrer bestehenden Beziehungen unterliegt größtenteils Ihrer Kontrolle.

Denken Sie für einen Moment an die fünf bis zehn Menschen, mit denen Sie die meiste Zeit verbringen. Das schließt auch Internet-Beziehungen ein wenn Sie viel Zeit damit verbringen – welche Personen haben derzeit den größten Einfluss auf Ihr Denken? Verfassen Sie jetzt wirklich diese Liste – das dauert nur eine Minute. Schließen Sie Ihre Familienmitglieder mit ein.

Nun schauen Sie sich die Liste an. Es heißt, dass diese Liste Ihnen einen Blick in die Zukunft ermöglicht.

Wollen Sie so werden, wie diese Menschen? Ja oder Nein. Hat irgend jemand auf der Liste einen schlechten Einfluss auf Sie, der für Sie einen Rückschlag bedeutet? Ist irgend jemand auf der Liste wie ein strahlendes Licht für Sie, jemand der Sie ermutigt, neue Höhen zu erreichen?

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, diese Liste bewusst abzuändern? Erkennen Sie dass Sie entscheiden können, wer diese Liste bevölkert, und zwar durch Auswahl statt durch Zufall? Es steht Ihnen frei Nein zur Existenz bestimmter Menschen in Ihrem Leben zu sagen, und es steht Ihnen auch frei sich die Mühe zu machen neue Menschen kennenzulernen, die Sie in Ihrem Leben haben möchten. Manchmal zieht das ernstliche Konsequenzen nach sich, wie etwa mit Familienmitgliedern oder dem Chef, aber es ist dennoch immer eine Auswahl.

Es geht nicht darum, Menschen loszuwerden. Menschen kommen und gehen im Leben. Bekanntschaften werden zu Freundschaften und Freundschaften verblassen zu Bekanntschaften. Sie werden niemanden los. In Wahrheit müssen Sie vielleicht – um Raum für neue Menschen und neue Erfahrungen zu schaffen – einige Ihrer bestehenden Beziehungen lockern.

Was ist mit Loyalität? Sollten Sie sich Ihren Freunden gegenüber nicht stets loyal verhalten? Wenn Sie einmal eine enge Freundschaft haben, selbst wenn deren Einfluss auf Sie in irgendeiner Form destruktiv ist, sollten Sie ihr nicht treu bleiben?

Loyalität ist einer meiner persönlichen Werte. Aber mein Wert „Loyalität" bedeutet, dass ich loyal gegenüber meiner Vision von meinem höchsten und besten Selbst und meinen Grundwerten bin. Und das läuft wechselseitig. Während ich weiß, dass ich es mir nicht leisten kann an Freundschaften festzuhalten, die mit meinen Werten in Konflikt stehen, kann ich auch nicht Freunde festhalten, die ich in irgendeiner Weise zurückhalte. Ich möchte nur win-win Beziehungen haben, von denen jeder profitiert.

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Loyalität einem Freund gegenüber bedeutet manchmal, ihn gehen zu lassen. Es bedeutet, auch seinem besten und höchsten Selbst gegenüber loyal zu sein. Wenn zum Beispiel jemand seine Gesundheit durch das Rauchen zerstört, zeigen Sie keine Loyalität, indem Sie ebenfalls rauchen. Wem gegenüber wären Sie dann loyal? Dem Tod? Wahre Loyalität erfordert manchmal, zerstörerische Verbindungen zu durchbrechen, bringen Sie sich wieder in Sicherheit und entscheiden Sie dann, wie Sie Ihrem Freund helfen können (was manchmal bedeutet, jemanden loszulassen).

Wie wäre es mit einem praktischen Beispiel? Als ich noch am College war, benutzte ich gelegentlich Raubsoftware. Ich hatte mehrere Freunde die Software-Piraten waren und mir diese immer wieder anboten. Ich nahm diese Angebote auch manchmal an wenn es sich um etwas handelte, dass ich haben wollte. Als ich aber nach meinem Studium selbstständig ins Software-Geschäft einstieg und mir darüber Gedanken machte, welche Art von Mensch ich sein wollte erkannte ich, dass die Software-Piraterie aufhören musste. Also beschloss ich, damit aufzuhören.

Was passierte natürlich als nächstes? Sie haben es erraten. Es wurde mir noch mehr Raubsoftware angeboten, und ich erlag der Versuchung. Und dann ärgerte ich mich über mich selbst. Und dieses Muster wiederholte sich noch ein paar Mal bis ...

Mir wurde klar, wenn ich mit der Piratensoftware aufhören wollte, musste ich aufhören, mich mit Piraten abzugeben. Also entschied ich mich bewusst, diese Freundschaften auslaufen zu lassen, was es bei mehreren Gelegenheiten notwendig machte, der Person direkt zu sagen, dass ich sie nicht mehr in meinem Leben haben konnte (und warum). Daraufhin bildete ich engere Freundschaften mit ehrlicheren Menschen die Software-Piraterie niemals in Erwägung ziehen würden. Meine neuen Freunde und Gesellschafter hoben mein Denken auf Ihre Ebene und so war es ein Leichtes, dauerhaft von der Software-Piraterie die Finger zu lassen. Ich wurde positiv angesteckt von den Gedanken jener die keine Software ergaunern, sodass ich mit meiner neuen Mentalität Softwareraub einfach gar nicht mehr in Erwägung zog. Entweder kaufe ich was ich haben will, oder ich komme ohne aus.

Heute benutze ich eine Menge von Shareware-Programmen die alle registriert sind. Obwohl ich mir mit Raubkopien Geld sparen könnte tue ich es einfach nicht. Ich will nicht einmal daran denken. Und das hat nichts mit der Angst zu tun, erwischt zu werden oder sich einen Virus einzufangen oder die neueste Version nicht zu haben oder zu viel Zeit zu verschwenden. Software-Raub passt einfach nicht mehr zu mir. Ich bin ein Nicht-Pirat.

Diese Veränderung hatte auch einige unerwartete positive Nebeneffekte. Als ich von der Piraterie abließ hatte ich viel mehr das Gefühl, meinen Erfolg verdient zu haben. Es erhöhte mein Selbst. Da war nichts auf meinem Computer was mir unbewusst sagte: jawohl, das war ein netter Erfolg, und du bist trotzdem ein Dieb. Das ist ein sehr einfaches Beispiel wie die bewusste Veränderung der Menschen in Ihrem Leben, auch Sie zum Besseren hin verändern kann.

Wie ist es mit dem Versuch, Menschen in Not zu verändern oder zu retten? Obwohl ich glaube dass es unmöglich ist, eine zerstörerische Beziehung vom Inneren aus zu verändern ist es sehr schwierig, wenn Sie kaum Unterstützung haben. Während Sie versuchen, den anderen hochzuheben sinken Sie gleichzeitig ab. Sie würden auf jeden Fall einen Puffer oder viele andere starke Beziehungen benötigen um eine zerstörerische Beziehung umzuwandeln. Ich glaube es ist die beste Vorgehensweise, die destruktive Beziehung hinter sich zu lassen, neue Beziehungen aufzubauen um Ihre Kräfte wieder zurückzugewinnen und dann (während Sie die neuen Beziehungen aufrecht halten) sind Sie in der Lage zurückzugehen und die alte, destruktive Beziehung zu verwandeln – und das mit einem viel geringeren Risiko, wieder in alte Muster gesogen zu werden.

Ich glaube Sie können sich ein ziemlich gutes Bild davon machen, wie ein Mensch ist, wenn Sie sich die Menschen ansehen, mit der diese Person sich umgibt. Denken Sie einen Moment darüber nach. Mit welchen Leuten verbringt George Bush die meiste Zeit? Was ist mit dem Dalai Lama? Ihren Kindern? Sogar Jesus wurde von den zwölf Aposteln umgeben. Einer verriet ihn und einer leugnete drei Mal, ihn zu kennen, aber zehn von zwölf ist kein schlechter Schnitt. Wenn Sie ein Dutzend treue Anhänger hätten die Ihnen überallhin folgen, vielleicht würden Sie dann auch ein ziemlich erhobenes Denken genießen.

Es kann viel Mut erfordern jemandem zu sagen. „Es tut mir leid aber ich kann dich nicht mehr in meinem Leben haben." Aber selbst wenn das manchmal wie ein egoistischer Akt erscheint, ist es oft auch das Beste für die andere Person. Wenn Sie beispielsweise für einen beleidigenden Chef arbeiten ist das Akzeptieren dieser Situation eine stille Zustimmung, und ermutigt Ihren Chef, mit dem beleidigenden Verhalten fortzufahren (Ihnen und anderen gegenüber).

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Wenn Sie rauchen und plötzlich zu all Ihren rauchenden Freunden sagen, „Es tut mir leid aber ich kann keine Freundschaften mehr zu Leuten pflegen die rauchen. Ich habe beschlossen Nichtraucher zu sein" werden Sie wahrscheinlich auf viel Widerstand stoßen. Wenn Sie aber diesen Weg weiter verfolgen wird Ihr Handeln auf manche Ihrer Freunde abfärben. Und ein Jahr später nachdem Sie Nichtraucher geworden sind wird einer von ihnen Sie kontaktieren, „Ich möchte auch aufhören. Kannst du mir helfen?" Und Sie werden in der Lage sein, zu helfen. Sie werden vielleicht sogar Ihre alte Freundschaft erneuern, aber auf einer ganz neuen Ebene.

Ich halte heute nach Beziehungen Ausschau, die das Potential einer win-win Situation haben, wo beide Personen einander helfen können auf eine positive Art und Weise zu wachsen ohne einander zu behindern. Nicht einer der den anderen ausnutzt – sondern Synergien. Ich bin immer offen für neue Freundschaften dieser Art und lade diese in mein Leben ein. Sobald ich mich wie in einem Käfig fühle weiß ich, dass es Zeit ist Ausschau nach neuen Verbindungen zu halten, und/oder alte zu lockern.


 Übersetzung von ProblemImGriff, Original von Steve Pavlina:
„Are Your Friends An Elevator or a Cage?“


 

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