Problem im Griff

Der Sinn des Lebens:
Wie sollen wir leben?

 

Wie sollen wir leben? Wofür sollen wir überhaupt leben? Wie können wir richtig und falsch unterscheiden? Kann man diese Fragen überhaupt vernünftig beantworten, ohne blindem Glauben zu verfallen.

 

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Befragen wir dazu die alten Griechen

Bereits seit tausenden von Jahren versuchen die Menschen, diese Fragen zu beantworten. So wie auch Sokrates (469-300 vor Christus). Einer seiner bedeutendsten Durchbrüche war die eingehende Überprüfung der Glaubenssätze einer Person mittels einer Art Kreuzverhör. Diese Methode wurde bekannt als Dialektik. Dazu gehörte es, provokante Fragen zu stellen und zu beantworten um an einen Punkt zu gelangen, den man als wahr betrachten konnte. Im Grunde spielte er den Anwalt des Teufels und forderte die Menschen heraus, das zu rechtfertigen, woran Sie behaupteten zu glauben.

Es gibt zum Beispiel die Geschichte, wo Sokrates auf einen jungen Mann trifft, der vor Gericht zieht, um seinen Vater wegen Gottlosigkeit anzuklagen. Als Sokrates davon hörte nahm er an, dass der Mann ein vermutlicher Experte in Frömmigkeit wäre. Denn man musste Experte in Sachen Frömmigkeit sein um seinen eigenen Vater der Gottlosigkeit bezichtigen zu können. Sokrates bat den Mann ganz demütig, ihm Frömmigkeit zu definieren, ein Gebiet, auf dem Sokrates vorgab, nicht bewandert zu sein. Der Mann versuchte wiederholt vergeblich, sie zu definieren, und Sokrates hatte jedes mal eine simple und unbestreitbare Erklärung, warum jede der angebotenen Erklärungen nicht zutreffend war. Es ist kein Wunder, dass Sokrates alle Einrichtungen bald gegen sich hatte, und zum Tode verurteilt wurde. Er hatte sogar eine Fluchtmöglichkeit, entschied sich aber dafür, in Athen zu bleiben und das Gift zu trinken. Sokrates hatte größten Respekt vor dem Gesetz, selbst wenn es für ihn bedeutete, sein Leben zu opfern, um seinen Prinzipien treu zu bleiben. Als ich über sein Leben las, empfand ich sofort großen Respekt für diesen Menschen und seine Lebensphilosophie.

Ein weiterer Philosoph, der die Frage, wie wir leben sollen grundlegend prägte, war Aristoteles (384-322 vor Christus), der Schüler von Plato war (Plato war Schüler von Sokrates). Der junge Aristoteles weitete Plato´s Ideen bezüglich der Natur der Wirklichkeit (die Welt der Formen), bewegte sich schließlich jedoch in eine andere Richtung und begann an dem Problem zu arbeiten, wie wir leben sollen.

Aristoteles beste Antwort darauf, wie man leben soll war das Konzept der Eudamonia. Leider ist das Wort ziemlich schwer zu übersetzen, zwei Übersetzungen gefielen mir besonders. Die erste ist „Zufriedenheit" und die zweite ist das „menschliches Blühen". Die meisten weiteren Übersetzungen sind Abwandlungen davon. Ich persönlich würde den Begriff als „Erfüllung" übersetzen, obwohl auch das nicht ganz zutrifft. Eudaimonia beschreibt den Prozess, tugendhaft zu leben und keinen starren Seins-Zustand. Es handelt sich nicht wirklich um eine Emotion, wie „Zufriedenheit" vielleicht suggeriert. Aristoteles brachte diese Antwort da er meinte, dass Eudaimonia das einzig mögliche Ziel im Leben war, das ein Ziel in sich selbst ist, und nicht ein Weg zum Ziel. Ich denke, dass „Zufriedenheit" die beliebteste Übersetzung sein könnte, weil Zufriedenheit ein Ziel ist, und kein Weg zu irgend etwas anderem.

Aristoteles wollte den richtigen Weg zu Leben finden, falls es so etwas überhaupt gibt. Sein Ansatz der Eudamonia besteht aus zwei Hauptbestandteilen: tugendhaftes Handeln und Nachsinnen. Das Hauptproblem ist, dass der Weg um die Tugend zu entdecken, Menschen zu beobachten war, die scheinbar aufblühten und tugendhaft lebten und zu erkennen, wie diese lebten. Es stellte sich heraus, dass sich solche Menschen integer, ehrlich, mutig, sachlich und fair verhielten. Das ist nicht nur eine innere Beobachtung die jemand in sich selbst entdeckt – solche Werte kann man von außen beobachten. Aristoteles machte hier also einen gewissen Fortschritt bei dem Versuch einen semi-objektiven Standard für ein richtiges Leben festzulegen. Wie Sokrates wurde auch Aristoteles zum Tode verurteilt, er entschloss sich jedoch dazu aus Athen zu fliehen und im Exil zu leben (Sie können mir glauben dass ich extrem dankbar bin in einer Gesellschaft zu leben wo das philosophieren nicht gleich die Todesstrafe nach sich zieht.)

Das Hauptproblem das ich in Aristoteles Versuch, diese Frage zu beantworten sehe ist, dass es irgendwie ein Teufelskreis ist. Um gut zu leben müssen wir tugendhaft leben und Zeit der Selbst-Reflexion widmen und studieren. Aber woher wissen wir, welche Kriterien wir anwenden sollen um unsere Tugenden auszuwählen oder was wir studieren sollen. Grundsätzlich müssen wir Menschen finden, die scheinbar gut leben und aufblühen – oder zu Aristoteles Zeiten wurde empfohlen, es den Göttern gleichzutun, das es diesen scheinbar mit Sicherheit gut ging. Das ist bestimmten Religionen nicht unähnlich die ein Modell der Tugenden bieten, die man zu leben versuchen sollte. Aristoteles hat dennoch eine Kernfrage nicht beantwortet: Was ist das beste Leben, dass ein Mensch leben kann? Eudamonia schlägt einen möglichen Weg vor wie man die Antwort auf diese Frage finden kann, lässt aber dennoch einige große Lücken offen.

Nach Aristoteles haben viele andere sich an die Frage herangewagt, wie man leben soll. Jede Religion hat ihre eigene Antwort. Manche Menschen sagen es gibt keine Antwort, oder dass die Antwort irrelevant ist, dass wir die Antwort unmöglich wissen können oder dass die Antwort eine reine persönliche Entscheidung ist. Die schlechteste Antwort jedoch ist das, was die meisten Menschen tun – die Frage komplett ignorieren.

 

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Wählen Sie Ihren eigenen Rahmen

Wofür sollen Sie leben? Reichtum? Macht? Dienstbarkeit? Langlebigkeit? Vernunft? Liebe? Vertrauen? Familie? Gott? Tugend? Zufriedenheit? Erfüllung? Annehmlichkeit? Behagen? Integrität? Werfen Sie einen Blick in die Liste der Werte. Sie können dort aus hunderten wählen.

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Es ist wichtig, einen übergeordneten Rahmen zu wählen, wie Sie Ihr Leben leben, da diese Entscheidung das Umfeld für alles bildet, was Sie tun. Wenn Sie Ihren Rahmen nicht wählen, erhalten Sie den Standard- und Durchschnittsrahmen, was bedeutet dass Sie sich größtenteils Ihren Rahmen von anderen diktieren lassen. Grob verallgemeinert ist das in den USA weitestgehend ein kommerzieller-/materieller Rahmen. Dieser besagt dass man einen Job haben muss, eine Familie, Geld sparen und in den Ruhestand gehen. Sei ein braver Bürger und mach keine all zu großen Schwierigkeiten. Aber falle auch nicht auf. Sei ein gutes Rädchen. Andere Kulturen haben ihre eigenen Standards. Die meisten Menschen verschreiben sich diesem Standard in ihrer jeweiligen Kultur mit geringen individuellen Abweichungen.

Dem Standard Ihrer jeweiligen Kultur verhaftet zu sein gehört zu den schlechtesten Optionen. Überlegen wir uns nur einmal die einfachsten Fälle der Demokratie im Gegensatz zur Diktatur. In einer Demokratie hat niemand wirklich die alleinige Verantwortung über den kulturellen Kontext, sodass der verbreitetste Kontext ein Misch-Masch von Diesem und Jenem ist, denen die übergeordnete Deckungsgleichheit fehlt. Das wird grundsätzlich zu Verwirrung und Mittelmäßigkeit führen. Eine solche Gesellschaft wird nur eine sehr vage Ahnung zulassen, wie Sie leben sollen, wie einen Job zu haben, eine Familie, sich von Problemen fernhalten und sich still in den Ruhestand verabschieden. Fragen Sie einen Amerikaner was es bedeutet, das bestmögliche Leben zu leben und Sie werden viele verschiedene Antworten bekommen. Und die meisten werden ziemlich verschwommen und ohne Fokus sein – Antworten, bei denen sich Sokrates im Grab umdrehen würde.

Wenn Sie nun zufällig in einer Kultur leben, wo der Kontext bewusst gesteuert wird, dann müssen Sie sich Gedanken darüber machen, wer sie steuert, was die Motive desjenigen sind und ob oder ob nicht sie demjenigen vertrauen können. Wo Sie eine starke Diktatur vorfinden, werden Sie üblicherweise einen eher fokussierten Rahmen antreffen als in einer Demokratie. Hätten Sie jemanden in Nazi Deutschland gefragt, was die beste Art zu leben ist, würde ich wetten, dass die Antworten eher homogen und fokussierter ausgefallen wären. Aber das Problem ist natürlich, dass solcherart Rahmen oft gestaltet werden um denjenigen, die den Rahmen aufrecht erhalten, die Macht zu bewahren. Es ist ein größerer Druck, sich an so einen Rahmen anzupassen. Langfristig gesehen führt so ein Rahmen zur Desillusionierung, Starre oder Fanatismus.

Wenn Sie also die Gesellschaft Ihren Kontext diktieren lassen (was automatisch passiert wenn eine bewusste Entscheidung fehlt), werden Sie am Ende einen sehr unklaren, unfokussierten Kontext haben oder einen, der sich auf den falschen Punkt konzentriert. Jedenfalls in beiden Fällen keine große Wahl. Sicher nicht die optimale Entscheidung. Ein solcher Rahmen wird ihnen nicht die nötige Führung gewährleisten, wie man richtig lebt. Sie werden viel Zeit damit zubringen sich ihren Weg durchs Leben zu erraten oder viele Fehler machen die später auf Sie zurückfallen werden.

Letztendlich, wenn Sie dem für Sie „bestmöglichen Weg zu leben" näher kommen wollen, müssen Sie sich ihren eigenen Rahmen aussuchen. Sie können sich nur nur dem von Ihrer Gesellschaft vorgegebenen Rahmen hingeben und so leben, wie andere es von Ihnen erwarten. Wenn Sie versuchen, sich anzupassen, dann verschwenden Sie Ihr Leben verglichen damit, was sie vielleicht gemacht hätten, wenn Sie einen besseren Rahmen für sich gewählt hätten.

Wie also sollen wir herausfinden, wie wir leben sollen? Raten wir nur und hoffen auf das Beste? Gibt es einen rationalen, gesunden Weg eine solch schwere Entscheidung zu treffen?

Ich kann Ihnen diese Entscheidung nicht abnehmen, kann Ihnen aber erklären wie ich diese Entscheidung für mich getroffen habe, die mir eine Antwort zur Verfügung stellte, die ich sehr zufriedenstellend fand. Ich denke ein Teil meiner Antwort ist persönlich, einen anderen Teil sehe ich aber auch als universell für uns alle gültig.

 

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Tugenden leben

Im Erwachsenenalter, als ich mir ernsthaft die Frage stellte, wie man leben soll, war der erste große Stolperstein genau jener, an der auch Aristoteles hängen blieb. In meinen frühen und Mitt-20ern arbeitete ich sehr viel daran, tugendhaft zu leben. Das bestmögliche Leben zu leben machte mich aus meiner Sicht zu einem tugendhaften Menschen: Ehrlichkeit, Integrität, Mut und Mitgefühl zu leben usw. Ich listete die Tugenden auf, die ich erreichen wollte und setzte mir sogar Aufgaben, um sie besser zu entwickeln. Benjamin Franklin machte etwas Ähnliches, wie ich in seiner Autobiographie las. Er konzentrierte sich jede Woche auf eine Tugend, um seinen Charakter zu entwickeln.

Sonderbarerweise gab es ein Computerspiel, in das ich mich während dieser Zeit absolut verliebte – Ultima IV. Bis heute kann ich sagen, das ist mein absolutes Lieblingsspiel. In diesem Rollenspiel sind Sie ein Avatar, ein Sucher der Wahrheit und Ihr Ziel ist es nicht, irgend einen Feind zu zerstören sondern vielmehr den Zustand zu erreichen, der Kodex der ultimativen Weisheit genannt wird. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Sie Ihren Charakter in den 8 Tugenden entwickeln. Alle diese Tugenden leiten sich aus den 8 möglichen Kombinationen von Wahrheit, Liebe und Mut zusammen wie folgt:

  • Wahrheit = Ehrlichkeit
  • Liebe = Mitgefühl
  • Mut = Tapferkeit
  • Wahrheit + Liebe = Gerechtigkeit
  • Wahrheit + Mut = Ehre
  • Liebe + Mut = Aufopferung
  • Wahrheit + Liebe + Mut = Spiritualität

Das Fehlen von Wahrheit, Liebe und Mut ist Stolz, wovon das Gegenteil Demut ist.

Ich fand dieses System von Tugenden absolut genial, vor allem dass es von einem Spiel kommt. Jahre später fragte ich Richard Garriott, den Designer der Ultima-Serie, bei der Elektronischen Unterhaltungs Messe (E3), wie er auf dieses System kam und warum er genau diese Tugenden wählte. Seinen Erzählungen zufolge begann er mit dem Brainstorming einer langen Liste und dass er sich ein Schema notierte, wie die Tugenden miteinander in Beziehung standen.

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So seltsam es ist, dass ich diese Erkenntnisse von einem Spiel bekam, denke ich heute noch immer ziemlich gleich darüber, was für mich ein tugendhaftes Leben bedeutet, nämlich aus einer Schnittmenge von Wahrheit, Liebe und Mut. Für die Kombination aller drei Tugenden finde ich den Begriff der „Integrität" jedoch passender als „Spiritualität". Ultima V ging weiter und erforschte die andere Seite, die Laster die aus Falschheit, Hass, Feigheit entspringen. Leider finde ich, dass die Ultima-Serie seitdem ziemlich abgelegt hat und seine ganze Seele verloren hat – es wäre schön gewesen zu sehen, wie die Idee der Tugenden weitergeht.

Ich dachte ganz stark in diesen Bahnen, als ich meine Firma Dexterity Software 1994 gründete. Ich gab mein Bestes, diese Tugenden zu leben und integrierte sie auch in mein Unternehmen so gut ich konnte. Zum Beispiel zahlte Dexterity in den knapp 6 Jahren monatlich stattliche Tantiemen (insgesamt mehrere Hundert Zahlungen), kein einziges Mal gab es einen Zahlungsverzug, nicht einmal von einem Tag. Ich kenne keine einzige Spielefirma die das von sich behaupten kann, auf jeden Fall keine, mit der ich zusammen gearbeitet habe. Die Verpflichtung so zu handeln war eine Sache der Ehre für mich und mein persönliches Konzept der Tugenden floss so in mein Unternehmen ein. Ehre war für mich immer wichtiger als Profit ... und ist es noch immer.

Die Kehrseite meines Versuchs, tugendhaft zu leben war dass ich von vielen Leuten, die ganz klar nicht tugendhaft lebten, herumgeworfen wurde. Unglücklicherweise ist die Spieleindustrie voll mit solchen Leuten, vor allem dort, wo große Geldsummen im Spiel sind. Ich hatte mich voll darauf eingestellt, mit Menschen Geschäfte zu machen, die Ehre auch großschreiben. Ich war jedoch bestürzt, wie wenige Gelegenheiten es dazu gab. Für zu viele Menschen hat Geld einen höheren Wert als persönliche Ehrenhaftigkeit. Also schwamm ich gegen den Strom. Das ist mir aber dennoch lieber als jede Alternative.

Der Versuch tugendhaft zu leben verursachte auch viele innere Konflikte. Ich gebe dafür nicht den Tugenden die Schuld als viel mehr meine begrenzte Möglichkeit, in vollem Einklang mit diesen Tugenden zu leben. Meinen Alltag lebte ich größtenteils tugendhaft, aber was ist mit dem Gesamtbild? Zum Beispiel dem Betreiben eines Spielegeschäfts zum Zwecke der Unterhaltung von Menschen? Ist das tugendhaft genug? Ich machte mir selbst den Druck, mehr zu tun in Richtung eines höheren Ideals. Ich betätigte mich zwei Jahre lang freiwillig als Vorsitzender in der Shareware Fachgruppe (unentgeltlich). Ich schrieb viele kostenlose Beiträge. Ich gab viele Ratschläge und coachte viele Menschen unentgeltlich. Ich sprach kostenlos auf Konferenzen. Ich drängte mich selbst dazu, mehr Opfer zugunsten anderern Menschen zu bringen. Ich ließ einige Gelegenheiten zu lukrativen Geschäften aus und verfolgte statt dessen Gelegenheiten, um mehr Service zu bieten.

Für mein Gefühl war das eine Verbesserung für mich, aber noch immer nicht genug. Ich hatte noch immer nicht das Gefühl, dem Ideal näher zu kommen, mein tugendhaftes Leben betreffend. Zunächst war meine Schlussfolgerung, dass das der natürliche Lauf des Lebens war, dass dies ein lebenslanger Kampf werden würde. Aber bald wurde ich mir da unsicher, ich merkte, dass etwas nicht stimmte. Jahrelang kam ich nicht dahinter, was das ist und blieb stecken mit dem, was ich wusste. Ich kam zu der selben Blockade, gegen die Aristoteles vielleicht angerannt ist, die ihn daran hinderte, eine Antwort auf die Frage zu bekommen, „Was ist das bestmögliche Leben?". Ich wusste dass es etwas anderes war, als ich hatte, wußte aber nicht, wo ich danach suchen sollte.

 

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Was ist das bestmögliche Leben?

Irgendwann stieß ich auf eine andere Herangehensweise an das Problem wie man leben soll. Ich fragte mich „Warum ist das überhaupt eine so schwierige Frage? Was ist so schwer daran?" So kam bei mir eine neue Art zu denken in Gang, die mich wiederum zu dieser Frage führte: Was müßte sich ändern, damit diese Frage einfacher wird?

Bingo.

Plötzlich wurde es klar, warum diese Frage so schwer zu beantworten ist. Um sie korrekt beantworten zu können, müsste ich allwissend sein. Ich müsste Gott sein.

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Unsere menschliche Intelligenz ist begrenzt. Unsere Technologie beweist das. Mein Computer ist besser in Arithmetik als ich. Diese kleine Festplatte kann eine breite Vielzahl an Aufgaben erledigen, die mein größeres Gehirn nicht bewältigt. Auf meiner Festplatte sind mehr Daten, als ich in meiner ganzen Lebenszeit sammeln könnte. Natürlich schlägt mein Gehirn die Festplatte auch in einigen Bereichen, dennoch gibt es ganz klar intellektuelle Grenzen für unsere menschliche Festplatte.

Ich stellte mir viele interessante Fragen um eine neue Sichtweise auf dieses Thema zu erhalten. Kann der Verstand seine eigenen Grenzen verstehen? Was wäre, wenn eine superintelligente Alien Spezies auf die Erde käme – was würden sie als Grenze menschlichen Verstandes sehen und wo würden sie diese Grenzen wahrnehmen? Was kann mein Gehirn eindeutig NICHT?

Was wäre, wenn ich noch intelligenter wäre, als ich es jetzt bin? Wie würde ich anders leben? Welche Teile meines Lebens würde eine höhere Intelligenz als dumm, unnötig oder schädlich ansehen? Würde eine intelligentere Lebensform versuchen, mein Leben zu optimieren, die meine intellektuellen Grenzen klar wahrnehmen könnte, was würde sie ändern? Wie würde ich das Leben eines Gorillas oder einer Maus verbessern wenn ich mit ihnen kommunizieren könnte? Wo sehe ich deren intellektuelle Grenzen? Was wäre das bestmögliche Leben für verschiedene andere Spezies?

 

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Und weitere Fragen dieser Art

Was schließlich passierte ist, dass sich meine Sichtweise änderte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, an die Grenzen meiner eigenen Intelligenz zu stoßen. Ich begann zu erkennen, wo die Mauern sich befanden. Manche dieser Mauern waren offensichtlich, wie und wie schnell ich zum Beispiel Zahlen knacken konnte. Aber ich begann auch andere Grenzen zu testen. Wie viele unterschiedliche Begriffe konnte ich mir auf einmal merken? Wie viele Techniken für Problem-Lösungen kannte ich wirklich und welches waren ihre Stärken und Schwächen?

Ich begann, mich etwas genauer mit dem Gehirn auseinander zu setzen und meine wahrgenommenen mentalen Grenzen mit dem zu vergleichen, was allgemein über den physikalischen Aufbau des Gehirns bekannt war. Die jüngsten Forschungen auf diesem Gebiet sind absolut faszinierend. Indem man das Hirn unter Drogen setzt kann man jemandem das Bewusstsein rauben. Durch elektrische Stimulation einiger Neuronen kann man eine Erfahrung hervorrufen, die die Testperson als spirituell beschreiben würde (Spiritualitäts-Taste?). Man kann einer Person die Fähigkeit, Klavier zu spielen, chirurgisch entfernen.

Durch das bessere Verständnis für die menschliche Intelligenz wurde mir klar, dass es einer größeren Intelligenz bedürfen würde, als wir derzeit besitzen, um die Frage zu lösen, wie wir leben sollen. Um zu wissen, was das bestmögliche Leben ist, was mathematisch gesehen ein Optimierungsproblem ist, müsste man wissen, was alles die möglichen Lebensweisen wären. Und das erfordert eine Anzahl an Daten, die wir derzeit nicht in der Lage wären zu verarbeiten.

Stellen Sie sich vor was wäre, wenn es nur eine Million verschiedener Möglichkeiten gäbe, wie wir unser Leben leben könnten. Um die beste zu wählen müssten Sie sich eine Million Möglichkeiten ansehen, irgend ein Kriterium zur Bewertung festlegen und dann diejenige mit der höchsten Punktezahl wählen. Es gibt drei große Probleme dabei. Das erste ist, dass es zu viele Möglichkeiten gibt um diese ernsthaft überlegen zu können. Das zweite Problem ist dass Sie die Zukunft richtig vorhersehen müssten um sagen zu können, wie die Zukunft ausgeht. Und das dritte Problem ist, dass Sie sich auf ein Bewertungskriterium festlegen müssten. Die ersten beiden sind derzeit klar unmöglich, aber was ist mit dem dritten Problem?

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Das dritte Problem ist genau das, welches Aristoteles zu lösen versucht hat – die Bewertungskriterien. Tugendhaft zu leben ist eine mögliche Antwort, aber sie ist noch immer ein bisschen vage.

Wir haben hier also einige ernsthafte Probleme. Zunächst gibt es eine Zahl möglicher Lösungen die zu groß ist, um sie vollständig zu überprüfen. Die Zahl ist so groß, dass wir sie gar nicht erfassen können. Zweitens müssen wir uns Bewertungskriterien überlegen um die Optionen miteinander vergleichen zu können, Kriterien die nicht zu sehr von einer unvorhersehbaren Zukunft abhängen.

 

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Suchen...

Widmen wir uns zunächst dem ersten Problem – die gigantischen Möglichkeiten. Eine optimale Lösung zu finden ist ganz einfach unmöglich. Die ehrlichste Antwort auf die Frage nach der besten Art zu leben ist also, dass man sie nicht wissen kann. Wir sind einfach nicht schlau genug, um das jetzt heraus zu finden. Das ist nicht sehr befriedigend, hilft uns aber tatsächlich ein bisschen. Nun bleibt uns die Frage: Wie können wir der optimalen Lösung näher kommen?

Glücklicherweise hat hier die Mathematik eine Lösung für uns: die Heuristik. Die Heuristik ist eine Regel mit der man einen Such-Raum erforscht, um so nahe wie möglich an das optimale Ergebnis heranzukommen, wenn man nicht den ganzen Suchraum überprüfen kann. Ein Beispiel für Heuristik wäre das Bergsteigen. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine große 3D Karte die Sie durchsuchen müssen, und Sie möchten den höchsten Punkt finden. Mit Bergsteigen würden Sie an einem beliebigen Punkt auf der Karte starten und nur sicher stellen, dass jeder Schritt, den Sie machen, aufwärts geht. Wenn es nicht mehr bergauf geht, haben Sie einen Gipfel erreicht – das lokale Maximum. Ohne mehr auf der Karte zu erforschen, können Sie sich nicht sicher sein, dass ihr letzter Berg der höchste auf der Karte war. Sie werden also vielleicht an anderen Punkten weiterforschen und die selbe Kletter-Heuristik anwenden. Wenn Sie nicht die gesamte Karte erforschen, können Sie sich nie sicher sein, dass Sie das globale Maximum gefunden haben, aber je mehr Sie erforschen, desto mehr Sicherheit gewinnen Sie.

Was bedeutet das für das menschliche Leben? Es ist eine Anleitung zum Bergsteigen des Lebens. Sie probieren für eine Weile eine Lebensweise aus, und dann versuchen Sie, diese zu verbessern, indem Sie es „aufwärts" voranbringen. Sie verändern einige der Parameter, um es zu verbessern. Sie versuchen zum Beispiel, abzunehmen, mehr Geld zu verdienen oder Ihre Beziehungen zu verbessern – eines oder alle dieser Möglichkeiten können helfen, aufwärts zu kommen. Und dann gehen Sie immer weiter aufwärts, bis Sie nicht mehr höher gehen können.

Das Problem bei dieser Herangehensweise liegt natürlich in der Natur der Heuristik – Sie bleiben bei einem lokalen Maximum stecken, das weit unter dem globalen Maximum liegt. Der Gipfel den Sie anstreben ist vielleicht nur ein Maulwurfshügel in Anbetracht des Großen Ganzen. Ein weiteres Problem, es kann das ganze Leben dauern, einen einzigen Hügel zu erklimmen. Sie sterben vielleicht, bevor Sie bei dieser Herangehensweise wirklich weit kommen.

Ah, aber als menschliche Wesen haben wir ein mächtiges Werkzeug auf unserer Seite, das dieses Problem bewältigbarer macht – die Vorstellungskraft. Wir müssen diese Permutation nicht physikalisch testen. Wir können Sie in unserem Geist testen. Das funktioniert aber nur, wenn unsere mentale Landkarte von der Realität sehr nahe an der tatsächlichen Realität liegt. Mit anderen Worten sollte unsere Simultation lieber sehr nahe an der Realität liegen, oder unsere Annäherung wird sehr weit davon entfernt sein, und unsere Ergebnisse wertlos. Erinnern Sie sich an den Artikel Selbst-Disziplin: Akzeptanz? Um hier eine Aussicht auf Erfolg zu haben müssen wir zuerst die Realität so akzeptieren wie sie wirklich ist – alles daran, ganz egal welchen Teilen von uns wir dafür ins Augen sehen müssen und wie wenig wir es wollen, diesen Tatsachen ins Auge zu sehen. Andernfalls wird unsere Simulation voller Fehler sein. Dinge die in unserer Simulation vielleicht funktionieren werden in der Realität nicht funktionieren.

Je zutreffender Ihr mentales Modell von der Realität ist, umso größer ist Ihre Fähigkeit, mögliche Lebenskonzepte vernünftig einzuschätzen. Das bedeutet, Sie müssen sich in Ihrer ganzen Nacktheit kennen, sowohl das Gute, das Schlechte als auch das Hässliche. Sie müssen ein tiefes Verständnis für Ihre eigene Natur entwickeln, so wie Sie wirklich sind. Das bezieht sich auf den gestrigen Eintrag, Ihre Überzeugungen in Einklang mit Ihren Handlungen zu bringen. Sie müssen innerlich kongruent sein, oder Ihre Simulation wird nur Müll ausspucken, dem Sie nicht vertrauen können.

Ich bin nicht sicher ob jeder Mensch die Fähigkeit dazu besitzt, das wirklich gut hinzubekommen. Es erfordert ein hohes Maß an Intelligenz und Konzentration sich vorzustellen wie es wäre, ein alternatives Leben zu leben und das dann objektiv zu bewerten. Aber das ist das Einzige, womit wir uns beschäftigen müssen. Wir können nur unser Bestes geben.

Ich denke die optimale Lösung ist, verschiedene Möglichkeiten wie Sie leben könnten in Erwägung zu ziehen, sich jede klar in Ihrer Vorstellung vorzustellen und es auf seine Stärken und Schwächen hin einzuschätzen. Wenn Sie erst einmal eine bestimmte Anzahl (und ich kann nicht sagen wie viel genug ist, je mehr desto besser) abgedeckt haben, picken Sie sich ein Lebensmodell heraus und beginnen Sie, so zu leben. Bleiben Sie gleichzeitig weiterhin offen sich andere Möglichkeiten vorzustellen. Wenn Sie dann jemals auf ein Konzept stoßen, das besser ist als ihre derzeitige Lebensweise, dann wechseln Sie zu diesem neuen, „höheren" Leben.

 

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Wie vergleicht man ein Leben mit dem anderen?

Nun müssen wir die Bewertungskriterien betrachten. Was ist bergauf? Wie vergleichen wir ein Leben mit einem anderen?

Es haben schon viele Menschen versucht, eine Antwort auf diese Frage zu geben. Eine der berühmtesten Antworten in der heutigen Selbsthilfe ist das Glück oder die Zufriedenheit. Uns wurde beigebracht zu tun, was uns am glücklichsten macht. Suchen Sie Freude. Vermeiden Sie Schmerz. So gut wie alles, was ich über Persönlichkeitsentwicklung gelesen habe verwendet eine Variation von Glück und Zufriedenheit als das ultimative Ziel im Leben.

Ich denke aber, Glück ist nur eine Teil-Antwort. Glück ist nur eine Emotion. Und mein ganzes Leben dafür einzusetzen um einen bestimmten Gefühlszustand zu erreichen und aufrecht zu erhalten ist eindeutig nicht optimal. Zum einen bin ich emotional sehr elastisch und es braucht nicht viel, um mich glücklich und zufrieden zu machen. Glück und Wohlbefinden kann weitgehend mit einer sehr gesunden Ernährungsweise und viel Bewegung erreicht werden. Ich bin schon recht gut darin, meine Emotionen im Griff zu haben und glücklich zu sein, ich bin mir also sicher, dass ich es auch noch besser kann.

Selbst wenn wir das Glück ausweiten in die Reiche der Erfüllung und Entfaltung, ist es noch immer nur ein Ausschnitt. Wenn man eine solche Antwort auf die Frage, wie man leben soll gibt, dann geben wir den Ball einfach nur an unsere emotionale Intelligenz weiter. Wir sagen also die Antwort auf die Frage wie wir leben sollen ist, was auch immer unsere Emotionen sagen dass die Antwort ist. Der Rückschluss ist, wenn wir uns zufrieden fühlen, müssen wir optimal leben. Ich sehe keinen logischen Grund dass diese Antwort stimmen soll, wenn ich weiß, wie Emotionen funktionieren. Nicht gut genug.

Aus diesem Grund lehnte ich alle Antworten ab die meinten, dass die optimale Art zu leben in irgend einem Gefühlszustand zu finden wäre. Ich kann bewusst entscheiden, was ich fühlen möchten, nur indem ich meinen Fokus verändere. Es gibt keine spezielle Handlung die ein Gefühl in mir erreichen kann, das ich nicht auch durch die bloße Lenkung meiner Imagination erreichen könnte. Ich kann mich selbst emotionalisieren.

Und dann gibt es noch eine Fülle von Selbst-Hilfe Gurus die scheinbar das Ziel des Lebens damit definieren erfolgreich zu sein, reich zu werden oder erfüllende Beziehungen zu haben usw. Wie Sie vermutlich annehmen, sind das nur Marketing-Gags ohne viel Substanz dahinter. Die meisten dieser Bücher wollen Ihnen zeigen wie Sie innerhalb des bestehenden sozialen und gesellschaftlichen Rahmens optimale Ergebnisse erzielen. Wie wir aber bereits gesehen haben, selbst wenn Sie es schaffen, den dort vorgeschlagenen Gipfel zu erreichen, werden Sie dennoch suboptimal leben. Sie werden nur Ihr ganzes Leben damit verbringen, einen Maulwurfshügel zu besteigen, ein großer Teil Ihrer potentiellen Größe bleibt ungenutzt.

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Meine Art, diese Frage zu bewältigen war es, mir mein Leben in einem größeren Rahmen anzusehen, und zwar im großen Gesamtbild meiner klarsten Vorstellung von der Realität. Das bedeutete die Geschichte des Lebens zu betrachten so weit wir diese verstehen können, weiters die mögliche Zukunft des Lebens und wo sie hinführen könnte, und die derzeitigen Lebensbedingungen. Ich hatte das Gefühl, dass eine Betrachtung des bestmöglichen menschlichen Lebens in einen Rahmen des gesamten Lebens zwischen Vergangenheit, Gegenwart und geplanter Zukunft platziert werden muss. Wenn ich mir ansehe, wie das Leben sich auf der Erde entwickelt hat, sehe ich die Kraft dieser Evolution als etwas was viel größer ist als meine Existenz. Ich sehe, dass das Leben immer komplexer geworden ist, dass die Intelligenz gestiegen ist, so wie auch die gesamten Überlebenschancen. Wenn ich mich in diesem Rahmen platziere, sehe ich drei grundlegende Optionen. Ich kann daran arbeiten, um mit der Evolution zu kooperieren, ich kann gegen sie arbeiten, oder sie ignorieren. Mein menschliches Bewusstsein ermöglicht es mir, diese Entscheidung bewusst zu treffen.

 

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So nahe an das Ideal wie möglich

Ich entschied, dass das bestmögliche Leben im Kooperieren mit der Evolution zu finden sein muss, und nicht im Arbeiten dagegen. Dies wiederum impliziert für mich zwei Dinge:

  1. An meiner Entwicklung zum Individuum im höchst möglichen Ausmaß zu arbeiten.
  2. Daran zu arbeiten, dem Leben selbst zur Entwicklung im höchst möglichen Ausmaß zu verhelfen.

Es stellte sich heraus, dass diese Ziele hochgradig kompatibel sind, da es eine positive Feedback-Schleife gibt zwischen der Entwicklung Ihrer selbst und der Entwicklung Ihrer Umwelt. Wenn Sie nur an sich selbst arbeiten, wird Ihre Umwelt Sie irgendwann zurückhalten. Sie werden wie Tarzan unter Affen leben. Und wenn Sie nur daran arbeiten, anderen zu helfen, wäre das auch suboptimal, weil Sie jenen nur beibringen können, was Sie gerade jetzt wissen, werden Ihr wissen aber nie upgraden und werden nie Ihre Fähigkeit zu Lehren verbessern. Eine Balance zwischen beiden ist also erforderlich.

Für mich läuft alles darauf hinaus, an meinem persönlichen Wachstum zu arbeiten und anderen beim Wachsen zu helfen. Das wurde zu meinem Weg um das bestmögliche Leben zu finden, das ich nur hoffen kann zu leben.

Was bedeutet es also, zu wachsen? Für mich bedeutet es, kontinuierlich danach zu streben meine stärksten, entwicklungsgemäßen Anlagen zu verbessern. Als diese sehe ich meine Intelligenz, meine Bewusstheit und mein Wissen über die Realität. Und ebenfalls um anderen beim Wachsen zu helfen, muss ich auch ständig meine Kommunikations-Fähigkeiten verbessern.

Ich sehe den Hauptzweck meines Lebens darin, dem Evolutionsprozess zu dienen. Das ist für mich wichtiger als alles andere. Alles andere in meinem Leben ist zweitrangig verglichen damit und muss seine Eignung für diesen Zweck unter Beweis stellen. Wen kümmert es einen Job zu haben und Geld zu verdienen wenn Sie die Gelegenheit haben, bewusst an der Evolution des Lebens selbst teilzunehmen? Für mich sind alle anderen möglichen Lebenswege nichts als blasse Schatten verglichen damit.

Lassen Sie uns dies nun wieder in das Konzept der Heuristik einbinden. Das führt zu folgender Gesamtstrategie:

  1. Versuchen Sie, sich das beste, mögliche Leben vorzustellen, das Sie leben können, mit dem Kriterium dem Evolutionsprozess selbst zu dienen.
  2. Leben Sie es – erfahren Sie es.
  3. Wann immer Sie zu der Überzeugung gebracht werden, dass es eine bessere Möglichkeit gibt, dem Prozess der Evolution zu dienen als mit dem was Sie jetzt machen, dann gehen Sie dazu über.

 

 

Das ist meine Antwort auf die Frage, wie man leben soll

Mein gesamtes Leben in das Streben nach Wachstum zu investieren. Das macht für mich richtig Sinn. Wenn wir nicht ergründen können, wie wir optimal leben sollen dann ist die beste Lösung unsere Fähigkeiten zu verbessern, um es zu können. Wenn ihr Computer nicht in der Lage ist, zu erfüllen, was Sie von ihm brauchen, dann sollten Sie Ihre Zeit dafür investieren, um Ihren Computer upzugraden.

Ich finde, diese Antwort lässt sich auch mit Aristotele´s Konzept der Tugenden kombinieren. Die Inelligenz schlägt eine Richtung vor und die Tugenden helfen dabei, den Weg zu formen. Ich denke beide sind essentiell um das bestmögliche Leben zu leben. Dennoch glaube ich, dass die Intelligenz die mächtigere von den beiden ist, da die Tugenden selbst ja von der menschlichen Intelligenz abgeleitet werden. Eine Möglichkeit ist es, die Tugenden als intellektuelle Abkürzung zu sehen. Wenn es zu viele Daten gibt, um eine wirklich intelligente Entscheidung zu treffen, können Sie auf die Tugenden zurückgreifen und darauf vertrauen, dass sie zumindest keine dummen Entscheidungen sind. Im Zweifelsfall seien Sie aufrichtig, ehrenhaft und mutig.

 

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Hirn 2.0

Wenn Sie sich plötzlich als Affe wiederfinden, könnten Sie das Leben als Affe akzeptieren und sich den ganzen Tag dem Essen von Bananen widmen und versuchen, ein guter Affe zu sein. Oder Sie könnten versuchen, mehr als ein Affe zu sein und sich zu einem Menschen entwickeln. Sobald Sie das getan haben, werden all Ihre Affen-Ziele und Fähigkeiten plötzlich völlig bedeutungslos erscheinen, verglichen zu Ihren neuen menschlichen Fähigkeiten. Wie dumm werden wohl noch entwickelteren Spezies Ziele wie "ein Unternehmen gründen" oder "gut in Marketing zu sein" erscheinen?

Auf der Evolutionsleiter sind wir derzeit nur ein Haufen von Affen. Wenn wir aber damit fortfahren zu wachsen, werden wir bald viel mehr sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Computertechnologie noch stärker mit unserem eigenen Gehirn verschmilzt um uns schlauer und tauglicher zu machen. Aber auch bevor es so weit ist können wir mehr über unsere Gehirn lernen und es bis an die Grenzen bringen. Hören wir auf, nur 3 % unserer Hirnkapazität zu nutzen und kurbeln wir sie näher an die 100%.

Es gibt viele Möglichkeiten, dem Evolutionsprozess bewusst zu helfen, und unsere derzeitigen Möglichkeiten dazu sind natürlich begrenzt (obwohl immer mehr dieser Beschränkungen jedes Jahr kollabieren). Ich denke, bezogen auf ein Menschenleben, kann ein Mensch der sein Leben der Entwicklung der Evolution für unsere Spezies widmet, im Laufe seines Lebens einen dramatischen Einfluss haben. Wir erinnern uns noch immer an Aristoteles für seinen Beitrag. Wie viel mehr könnten wir erreichen, wenn Tausende von uns heute lebenden Menschen unser Leben einem ähnlichen Zweck widmen würden?

Ich habe keinerlei Möglichkeiten, Ihnen das zu beweisen aber ich habe den Eindruck, je mehr ich daran arbeite, mein Leben mit dem Prozess der Evolution in Einklang zu bringen, desto müheloser fließt mein Leben, als ob ich wie magnetisch voran gezogen werde. Im letzten Jahr ( Anm.: gemeint ist das Jahr 2004) lief mein Leben extrem gut und ich habe das Gefühl, dass ich klarer denken kann als jemals zuvor. Das war eine Veränderung meines Rahmens die erst im vergangenen Jahr stattfand, aber ich habe das Gefühl sie wird jedes Monat stärker. Es ist ein Gefühl der Klarheit, dass es genau das ist, wozu mein Leben bestimmt ist. Es ist immer noch Selbstdisziplin gefragt, aber ich bin stärker und in der Lage, diese auch beständig zu gewährleisten. Ich denke der Grund ist, dass ich letztendlich das Gefühl habe, dass ich tatsächlich das bestmögliche Leben lebe, zu dem ich in der Lage bin, mit dem Wissen, dass ich derzeit habe. Wenn ich versuche, mir etwas Besseres vorzustellen, dann ist es nur eine Erweiterung meiner Fähigkeit um das gleiche zu tun, keine Veränderung im Kern meiner Aktivitäten. Bis an diesen Punkt zu gelangen war jedoch nicht automatisch leicht und ich bin mir sicher, dass noch mehr Veränderungen vor mir liegen. Das ist die Natur des Wachstums – alte Ziele sind ständig im Wandel um hinfällig zu werden.

Morgen werden wir erforschen, wie wir die hochkarätige Erkenntnis, wie wir leben sollen in einen persönlichen Zweck umwandeln, der tatsächlich auch erreichbar ist. Und am Tag darauf werden wir entdecken, wie wir diesen Zweck in Ziele, Projekte und Handlungen herunterbrechen und uns in Bewegung setzen.

 

Dieser Artikel ist Teil 2 einer 6-teiligen Serie zum Sinn des Lebens:


 Übersetzung von ProblemImGriff, Original von Steve Pavlina:
„How Shall We Live?“


 

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