Problem im Griff

Von Introvertiert zu Extrovertiert


Als Kind war ich sehr introvertiert, verbrachte viel Zeit am Computer, mit Lesen,  mit Video-Spielen oder betrieb andere Solo-Hobbys. Meine Outdoor-Hobbys waren Radfahren, die nahegelegenen Felder und Hügel zu erforschen (die heute mit Häusern zugebaut sind) oder ich spielte Basketball. Ich bevorzugte jedenfalls Beschäftigungen, denen ich alleine nachgehen konnte oder bestenfalls mit Leuten, die ich sehr gut kannte. Ich fühlte mich unter Fremden nie richtig wohl und mir sagten auch große Familientreffen nie zu. Bei psychologischen Tests wie dem Myers-Briggs Test wurde ich klar als Introvertiert eingestuft. Jeder, der mich kannte, hätte mich ohne nachzudenken als introvertiert eingestuft.

Wie viele Introvertierte wurde auch ich gedrängt, mehr soziale Kontakte zu pflegen. Ich hielt diesem Druck aber größtenteils stand, teilweise weil ich es genoss, introvertiert zu sein. Ich sah es irgendwie als Mangel an Intelligenz und Tiefe an, extrovertiert zu sein und so jemand wollte ich gar nicht sein.

Es verging viel Zeit und irgendwann bemerkte ich, dass ich immer extrovertierter wurde. Ich verbrachte nun gerne Zeit mit Menschen, lernte gerne neue Menschen kennen, konnte mich problemlos fremden Menschen vorstellen und genoss es richtig. Nach dem Myers-Briggs Test war ich nun extrovertiert. Für die Leute, die mich heute kennen, ist das keine Überraschung.

Dennoch war ich nicht die Art von Extrovertiert, wie ich mir das als Kind vorgestellt hatte. Ich finde, ich habe es gut hingekriegt, den introvertierten und den extrovertierten Teil von mir zu balancieren, sodass ich beide in gleichem Maße genoss. Mir gefällt es, zuhause zu bleiben und ein Buch zu lesen, gleich gut wie auf ein gesellschaftliches Ereignis zu gehen und mich Menschen vorzustellen, die ich noch nie zuvor getroffen habe. Ich genieße Gruppen- und Einzelaktivitäten gleich, beide jeweils aus anderen Gründen. An manchen Wochen bin ich weit mehr introvertiert und bleibe mehr mit meiner Familie zuhause. An anderen Wochen habe ich einen vollen Kalender mit gesellschaftlichen Events an beinahe jedem Abend. Beides mag ich gleich gerne.

Ich fand heraus, dass ich, um extrovertiert zu werden, einige Blockaden überwinden musste. Wenn Sie im selben Boot sitzen, haben Sie vermutlich auch einige der folgenden Blockaden.

 

Blockaden extrovertiert zu werden

 

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Unterbewerten der Extrovertiertheit

Es ist gleich wichtig, Zeit alleine und Zeit mit Menschen zu verbringen. Wenn Sie sehr introvertiert sind, bewerten Sie die positiven Aspekte, die Menschen in Ihrem Leben spielen können vielleicht unter, wie Wissen, Freundschaft, Wachstum, Lachen und so weiter. Optimal wäre es, einen Ausgleich zwischen beidem zu erreichen. Sie müssen nicht die introvertierten Aktivitäten aufgeben, die Sie mögen. Im Gegenteil, wenn Sie diese mit mehr sozialen Aktivitäten ausgleichen, finden Sie die introvertierten Aktivitäten vermutlich um so befriedigender. Wenn ich mehrere Abende mit Menschen verbracht habe, freue ich mich wirklich sehr auf einen Abend alleine mit einem Buch, beim Meditieren, Schreiben usw. Und wenn ich viel alleine oder mit meiner Familie zusammen war, dann brenne ich richtig darauf, raus und unter die Leute zu gehen.

 

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Unterentwickelte soziale Fähigkeiten

Soziale Fähigkeiten können wie jede andere Fähigkeit erlernt werden. Ein Grund, warum Introvertierte gesellschaftliche Aktivitäten scheuen, ist, dass sie sich nicht wohl fühlen, weil sie nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, vor allem, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Sich einem Fremden vorstellen zu können UND sich damit auch noch wohl zu fühlen, ist eine erlernbare Fähigkeit. Je öfter Sie das tun, desto besser werden Sie darin. Nehmen Sie die Tatsache an, dass Sie ein Anfänger sind und vergleichen Sie sich nicht mit anderen.

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Sich selbst als falsch extrovertiert ansehen

Wenn Sie die extrovertierten Menschen um sich herum als oberflächlich ansehen und vielleicht sogar als lästig, wieso sollten Sie so wie die sein wollen? Das würden Sie nicht. Als ich ein Kind war, wollte ich auf keinen Fall so sein wie die Extrovertierten, die ich kannte. Selbst als Erwachsener war mein Bild von einem Extrovertierten das eines aufdringlichen Verkäufers, der nur eine oberflächliche Beziehung mit einem aufbauen will, damit er einem irgend etwas verkaufen kann. Das wirkte auf mich ziemlich falsch und heuchlerisch. Natürlich hielt mich diese Vorstellung davon ab, jemals so sein zu wollen. Aber Sie müssen nicht auch ein so beschränktes Bild für sich aufrecht halten – Sie sind frei, sich Ihr eigenes Bild einer positiven Extrovertiertheit zu machen.

 

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Sich mit den falschen Leuten abgeben

Warum sollten Sie mehr Zeit mit Menschen verbringen wollen, die Sie nicht mögen? Wenn mehr Extrovertiertheit bedeutet, dass Sie mehr Zeit mit Menschen verbringen müssen, die Sie lieber meiden würden, werden Sie keine Motivation dafür haben. Nochmal, Sie sind frei dieses Muster zu durchbrechen und eine soziale Gruppe zu bilden, von der Sie liebend gerne ein Teil sein möchten.

 

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Online Kontakte überbewerten

Online-Sozialkontakte haben einen Platz in Ihrem Leben aber es ist nur ein fahler Schatten verglichen mit einer Kommunikation von Angesicht-zu-Angesicht. Stimme und Körpersprache können weit mehr kommunizieren als Text, und emotionale Bande baut man leichter und schneller persönlich auf. Ich fühle mich zu den Freunden aus meinem Ort, die ich nur ein paar Monate kannte, viel näher als zu den Leuten, die ich seit Jahren online kenne, aber nie persönlich getroffen habe. Es ist einfach nicht der gleiche Spaß, mit einem Laptop Essen zu gehen. Sie müssen die Online-Kontakte nicht aufgeben, aber lassen Sie nicht zu, dass Online-Kontakte die Begegnung mit Menschen aus Ihrer Gegend verdrängen. Denn dadurch werden Ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten noch mehr nachhinken.

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Wenn Sie diese Blockaden haben und Sie überwinden wollen, ist der erste Schritt, sie zu erkennen und zu sehen, wie sie Sie zurückhalten. Dann beginnen Sie, an ihnen zu arbeiten, so wie Sie das bei jeder anderen Herausforderung des Lebens auch tun würden. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Absicht, setzen Sie sich Ziele, machen Sie Pläne und dann beginnen Sie zu handeln. Es ist am Anfang vielleicht peinlich oder ungeschickt, akzeptieren Sie das einfach, und machen Sie weiter.

 

 

Vorschläge um extrovertierter zu werden

Hier sind ein paar zusätzliche Vorschläge, wie Sie extrovertierter werden können:

 

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Stellen Sie sich den Extrovertierten vor, der Sie gerne sein möchten

Wie würde Ihr Ideal aussehen? Wenn Sie das Gefühl haben zu introvertiert zu sein und gerne extrovertierter wären, dann arbeiten Sie an Ihrer Vorstellung über das Ergebnis, das Sie gerne hätten. Wenn Sie auf diesem Gebiet nur wenig Fortschritte gemacht haben, ist es sehr wahrscheinlich, dass Sie ein eher negatives Bild über Extrovertiertheit haben. Als ich mir ein positives Bild davon machte, extrovertiert zu sein - dazu gehört das Aufbauen echter Beziehungen zu intelligenten Menschen, die ich respektiere (im Gegensatz zu wahllosen, oberflächlichen Kontakten) - , begann ich bald solche Beziehungen anzuziehen. Aber eine extrovertierte „Dumpfbacke“ zu sein hat nach wie vor keinen Reiz für mich.

 

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Denken Sie bei Beziehungen nicht daran was Sie davon haben, sondern was Sie geben können

Wenn Sie neue Beziehungen aufbauen wollen, die aus einem gegenseitigen Geben und Nehmen bestehen, werden Sie keinen Mangel an Freunden haben. Suchen Sie sich Menschen aus, mit denen Sie eine Beziehung eingehen möchten und beginnen Sie mit dem Geben. Ich fand heraus, dass mein Wissen als Computerfreak tatsächlich eine große Stärke ist, wenn es ums Kontakte knüpfen geht, weil es unheimlich viele Nicht-Computerfreaks gibt, die gerne mehr über dieses Freak-Wissen erfahren möchten. Und ich kann es ihnen so erklären, dass sie es auch verstehen. Ich habe zum Beispiel einige Redner-Freunde hier aus der Gegend einiges übers Bloggen und Web-Marketing beigebracht. Im Gegenzug lerne ich von ihnen einiges übers Reden, Humor usw. Es gibt viele intelligente Menschen da draußen, die liebend gerne einen Freak als Freund hätten. Was können Sie in eine Beziehung einbringen, was jemand anderem von Nutzen sein könnte? Wenn Sie herausfinden, was das ist (und es sind wahrscheinlich mehrere, verschiedene Dinge), haben Sie es viel leichter, neue Freunde in Ihr Leben zu bringen.

 

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Finden Sie die passende gesellschaftliche Gruppe für Sie

Entscheiden Sie sich bewusst für die Art von Menschen, die Sie als Freunde haben wollen. Es gibt keine Regel die besagt, dass das Ihre Kollegen oder Mitarbeiter sein müssen. Mich interessieren zum Beispiel Freundschaften mit wesentlich älteren Menschen mehr als mit Gleichaltrigen oder etwas jüngeren Personen. Leute meines Alters (34) sind oft sehr Karriere- und Familien-orientiert, oft jedoch auf eine gedankenlose, gesellschaftlich konditionierte Art ohne bewusst gewählten Lebenszweck oder Überzeugungen. Und Menschen in den 20ern sind, wenn auch oft voller Energie, größtenteils unfokussiert... oder fokussiert auf triviale Aktivitäten, die einfach nicht so wichtig sind. So war es also schwer für mich, Leute meines Alters zu finden, mit denen ich genug gemeinsam hatte für eine längerfristige Beziehung. Mir fällt es scheinbar leichter, Freundschaften mit 40, 50jährigen zu knüpfen. Diese haben meist ein größeres Wissen und Erfahrungsschatz, mehr faszinierende Geschichten, mehr Ressourcen (Informationen und Ideen, finanzielle Ressourcen, Kontakte) und ein besseres Gefühl dafür, wer sie sind und was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Ich nehme oft an gesellschaftlichen Events teil, bei denen ich bei weitem der Jüngste bin, ich finde das aber ganz angenehm und normal. Haben Sie keine Angst davor, sich über die naheliegende Gruppe der Kollegen hinauszutrauen und sich mit Leuten anderer Altersklassen, Nachbarn, Kulturen, Länder usw. abzugeben. Sie werden darin vielleicht großen Spaß finden.

 

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Lassen Sie Ihre Stärken spielen

Es ist interessant, dass viele Introvertierte kein Problem damit haben, online Kontakte zu knüpfen. In dieser Umgebung sind Sie in der Lage, Ihre Stärken spielen zu lassen. Sie können Ihre Kräfte aber auch bewusst als Hebel einsetzen und Ihr Gebiet auf persönliche Kontakte ausweiten. Nach meinem College-Abschluss zum Beispiel lernte ich eine Frau auf einem lokalen BBS kennen [Anm.: Bulletin-Board-System] (bevor man noch viel vom World Wide Web hörte). Wir chatteten über mehrere Wochen online miteinander. Irgendwann trafen wir uns persönlich und wurden Freunde und bald wurde ich auch Teil Ihres bestehenden Freundeskreises. Mein gesellschaftlicher Terminkalender wurde praktisch über Nacht ausgefüllt. Diese Frau ist übrigens seit 7,5 Jahren meine Frau. Wenn Sie online Kontakte knüpfen, versuchen Sie, mithilfe dieser Stärke auch neue lokale Beziehungen aufzubauen. Während Leute das bereits in globalen Foren wie Onlinespielen getan haben, glaube ich, dass es einfacher ist, es in lokalen Foren zu versuchen. Es gibt zum Beispiel Foren für Menschen, die kürzlich nach Las Vegas gezogen sind.

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Treten Sie einem Verein bei

Ein alter Rat, funktioniert aber noch immer. Der Vorteil ist, dass Sie Leute treffen, die ähnliche Interessen wie Sie haben, das erleichtert es, neue Beziehungen zu knüpfen. Ein guter Verein kann Ihren gesellschaftlichen Kalender füllen. Durch meine Mitgliedschaft bei Toastmasters zum Beispiel bekomme ich Einladungen zu vielen anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Ich gehe nicht auf jede, es ist aber schön, diese Einladungen zu bekommen. Einer internationalen Organisation mit weltweit über 200.000 Mitgliedern anzugehören erschafft soziale Möglichkeiten rund um den Globus. Wenn Sie einem Verein beitreten und das Gefühl haben es ist nicht der richtige für Sie, steigen Sie aus und treten Sie einem anderen bei. Meine Frau und ich haben beide eine ganze Reihe von lokalen gesellschaftlichen Vereinigungen durch, die einfach nicht zu uns passten (zu langweilig, zu langsam, zu unorganisiert, zu viele Alkoholiker). Ein guter Verein ist alles was Sie brauchen.

 

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Entwickeln Sie bewusst Ihre sozialen Kompetenzen

Sie können es lernen, besser gute Verhältnisse aufzubauen, sich vorzustellen, eine Unterhaltung am Laufen zu halten, jemanden um eine Verabredung bitten, sich in Gesellschaften wohl zu fühlen anstatt nervös zu sein und so weiter. Sie müssen nicht oberflächlich oder manipulativ agieren sondern diese Fähigkeiten wirklich aufbauen, weil das Ihr Leben wirklich verbessern wird. Eine extrem wirkungvolle Annäherung ist, jemanden zu fragen, wie sie/er den Weg zu ihrem/seinem aktuellen Beruf fand. Zu 80-90% wird die Antwort etwa so ausfallen, „Nun, das ist eine interessante Geschichte...“ Und liebe es wirklich diese Erzählungen zu hören. Kleine grundlegende soziale Kompetenzen können viel bewirken, da Sie sie immer wieder verwenden können, bei jeder Begegnung. Welche Fähigkeit Sie auch immer entwickeln möchten, machen Sie eine Google- oder Amazon-Suche danach und Sie finden jede Menge Artikel und Bücher dazu.

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Sie müssen erkennen, dass, wenn Sie sich selbst von Sozialkontakten abhalten, Sie sich nicht nur selbst berauben – Sie berauben auch andere Menschen der Chance, Sie kennen zu lernen. Wie lange wollen Sie noch, dass Ihr zukünftiger Partner oder bester Freund alleine bleibt?

 

 

Hier sind einige Folgeartikel, die dieses Thema weiter behandeln:

- Improving Social Skills
- A Question for Introverts
- Risk vs. Reward in Human Relationships

 


 Übersetzung von ProblemImGriff, Original von Steve Pavlina:
„How to Go From Introvert to Extrovert“


 

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